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Ein Schlüsselwerk für Hogarth’s letzte ArbeitenHogarth, William (1697 London 1764). Sigismonda (Mourning over the Heart of Guiscardo). Dreiviertelfigur der in reicher Kleidung mit Perlendiadem am Tisch sitzenden Prinzessin und mit der Linken die Schale mit dem Herz des Geliebten, den ihr Vater, König Tancred von Salerno, hatte ermorden lassen, an die Brust pressend. Am Gelenk der auf eine Schmuckschatulle gestützten Rechten Perlenarmband mit dem Portraitmedaillon des Königs. Punktierstich von Benjamin Smith (gest. London 1833) für Boydell. Bezeichnet: From the Original Picture, in the Collection of Ald. Boydell. / Painted by Willm. Hogarth. / Engraved by Benjn. Smith. / Published June 4, 1795, by J & J. Boydell, at No. 90, Cheapside; & at the Shakespeare Gallery, Pall Mall. / Size of the Picture, 3 Ft. 3 ln. high, by 4 Ft. 2 ln. long., ansonsten wie vor und unten. 41 x 44,6 cm. Nagler, Smith, 11. – Harmonischer, breitrandiger Abdruck für die Gesamtausgabe von um 1822, für die der kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) die Hogarthschen Platten überarbeitet hatte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“). – In den Rändern schwach stockstippig. Resigniert von den Schwierigkeiten in Verbindung mit den Kupfern der Wahlfolge von 1757, hatte Hogarth sich fürderhin ganz auf Portraits beschränken wollen, ließ sich jedoch von Lord Charlemont überreden, noch eine comic history zu malen, Thema und Preis – „the payment was noble but the manner with which it was given by a note enclosed in a letter was far more pleasing to one of my turn of mind“, so Hogarth selbst – dem Künstler überlassend. Hinter dieser großzügigen Geste wollte Sir Richard Grosvenor nun nicht zurückstehen und bot den gleichen Preis für etwas The Lady’s Last Stake vergleichbares, wiederum Hogarth auch die Wahl des Themas überlassend.
Ebenso verärgert wie gereizt von den £ 400, die kurz zuvor eine von ihm als Fälschung angesehene Sigismunda von Correggio – in der Tat nicht von diesem, sondern von Francesco Furini – erzielt hatte, entschied sich Hogarth für eben dieses Thema, in der Absicht, den Connoisseuren seiner Zeit zu zeigen, was Qualität sei. Mag sein, daß sowohl James Thomsons an Londons Theatern populäre 1745er Adaption der ersten Erzählung des vierten Tages aus Boccaccios Decameron als auch Drydens Bearbeitung „Sigismunda and Guiscardo“ in seinen Fables Ancient and Modern von bereits 1699 ihn ohnehin interessiert hatte. Wie denn auch kolportiert wird, seine Frau habe ihm Modell gesessen, es spiegele zudem seine eigene Ehegeschichte, als die Heirat heimlich und gegen den Willen ihres Vaters, des erst später mit seinem früheren Schüler und nunmehrigen Schwiegersohn versöhnten Sir James Thornhill erfolgt war. Aller Mühe und Zeit zum Trotz, die Hogarth daran wandte, – oder vielleicht auch gerade deswegen und nicht allein, weil dieser „grand style of history“ nicht seine Art war – , wurde Sigismunda kein Erfolg. Nicht allein verweigerte der Auftraggeber die Abnahme, da er sich derlei nicht tagtäglich ansehen könne und wolle. Ebenso stürzten sich die Widersacher vergangener Schlachten, Wilkes und Churchill, mit Eifer und Gehässigkeit darauf. Was wiederum letztendlich mit zu der geballten Charge John Wilkes und The Times seitens Hogarths führte. Sigismunda indes verblieb in Hogarths Besitz, der es nunmehr stechen lassen wollte, doch blieb James Basires Radierung wohl in Folge von Hogarths Tod unvollendet. Als Subskriptionsschein diente – ein weiterer Mosaikstein in seinem jahrzehntelangem Kampf gegen die hohe Wertschätzung von „dubious Old Master paintings“ (David Bindman, Hogarth and His Times, 1997, S. 113) – Time Smoking a Picture. Die von Hogarth geforderten 500 Pfund konnte auch seine Witwe nicht erzielen und für 56 Guineen ging es aus ihrem Nachlaß schließlich in den Besitz der Boydells über, die für die 1795er Gesamtausgabe – mithin gut 35 Jahre nach seiner Entstehung und 30 Jahre nach seinem Tod – von Benjamin Smith anstehendes Kupfer fertigen ließen, mit Hogarths Bemerken im Unterrand:
Über den Nachlaß von J. H. Anderdon gelangte Sigismunda schließlich 1879 in die National Gallery,
(Austin Dobson, Encyclopedia Britannica, 1911).
– – – Dasselbe in Thomas Cook’s volkstümlicher späterer, kleinerer Fassung. Bezeichnet: Sigismunda. / Hogarth pinxt. / T. Cook & Son sculpt. / Engraved from the Etching made by Mr. Basire, under the immediate direction of Mr. Hogarth. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, July 1st. 1808. Bildgröße 16,8 x 17,1 cm. Entsprechend der unvollendeten Vorlage von James Basire Figur und reiche Kleidung der Sigismunda in Umriß. – Seitenverkehrt zum Öl. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat“ (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in seiner ersten, früheren Ausgabe – die anstehendes Sujet nicht enthielt – beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburgs fand. – Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten, der namentlich in der oberen und rechten Außenpartie schwach gebräunt ist.
– – – Dasselbe in Stahlstich um 1840 nach obigem 1795er Punktierstich von Benjamin Smith und somit dem Öl entsprechend voll ausgeführt. Bezeichnet: Sigismunda. 12,2 x 13,5 cm.
(Sign. S. B. F., June 26, 2004) |